
Experte: 30.000 Lehrer fehlen in ungarischen Schulen

Die ungarische Bildungsexpertin Judit Lannert warnt davor, dass die ungarischen Schulen an einen kritischen Punkt gelangt sind und kein weiterer Rückgang mehr möglich ist. In einem Interview mit der Deutschen Welle stellte sie fest, dass dem Bildungssystem 30.000 Lehrer fehlen. Die ungarische Regierung bestreitet diese Zahl jedoch und spricht offiziell nur von einem Mangel an über 3.500 Lehrern an ungarischen Schulen.
Lannert machte deutlich, dass verschiedene Methoden angewendet werden, um die Unterrichtsstatistik zu verbessern. An einigen Schulen werden pädagogische Assistenten eingesetzt, die zwar für bestimmte Fächer nicht qualifiziert sind, aber dennoch unterrichten. In Ungarn haben diese Assistenten nur einen Schulabschluss. In anderen Fällen werden pensionierte Lehrer wieder eingestellt oder Schulleiter setzen aufgrund des Personalmangels Fachkräfte wie Sonderpädagogen ein, um den regulären Unterricht zu übernehmen. Letztendlich ist jedoch immer jemand benachteiligt.
Die Expertin argumentiert, dass die Regierung kleine Schulen in ländlichen Städten nicht finanziell unterstützen sollte. Stattdessen schlägt sie die Schaffung qualitativ hochwertiger Schulzentren vor. Während in Westeuropa durchschnittlich 600 Schüler an einer weiterführenden Schule sind, sind es in Ungarn nur 300. Lannert ist der Meinung, dass Ungarn die Anzahl der unterrichteten Fächer reduzieren sollte, und plädiert außerdem für eine deutliche Gehaltserhöhung für Lehrer.
Die Regierung versucht, den Lehrermangel durch administrative Maßnahmen zu bekämpfen, beispielsweise durch die Verkürzung der Lehrerausbildungsdauer und die Einstellung von über 55-jährigen Soldaten als Lehrer, was bei Eltern für Empörung sorgt.
In Bezug auf die Hochschulbildung betonte die Staatssekretärin für Hochschulbildung, Berufs- und Erwachsenenbildung im Ministerium für Kultur und Innovation, Veronika Varga-Bajusz, dass das Vertrauen in Ungarns Hochschulen in den letzten Jahren gestärkt wurde. Sie freute sich darüber, dass im zweiten Jahr in Folge mehr als 100.000 Studierende an Hochschulen zugelassen wurden, von denen die Hälfte in „volkswirtschaftlich wichtigen“ Bereichen studieren werden.
Darüber hinaus verdoppelte sich die Zahl der Studierenden in Lehramtsstudiengängen im Vergleich zum Vorjahr auf 15.000. Wirtschaftsstudiengänge waren auch in diesem Jahr die beliebtesten, gefolgt von Lehramts- und Ingenieurstudiengängen. Das Interesse an MINT-Studiengängen ist ebenfalls gestiegen.






