
Deutsche Bundeskanzlerin stärkt Beziehungen mit Kasachstan und fördert regionale Zusammenarbeit

Bundeskanzler Olaf Scholz wird offiziell Kasachstan einen Besuch abstatten
ASTANA – Bundeskanzler Olaf Scholz wird am 16. und 17. September einen offiziellen Besuch in Kasachstan abstatten. Während seines Besuchs wird Scholz Präsident Kassym-Jomart Tokayev treffen und am zweiten Treffen im Format Zentralasien + Deutschland teilnehmen.
Yerbulat Seilekhanov, leitender Forscher am Kazakhstan Institute for Strategic Studies (KazISS), skizzierte in einem aktuellen Artikel die wichtigsten Themen auf der Tagesordnung und gab Hinweise darauf, was von dem Besuch zu erwarten sei.
Handels- und Investitionshighlights
Deutschland ist für Kasachstan ein wichtiger strategischer Partner in Europa. Die beiden Länder pflegen eine wachsende wirtschaftliche Zusammenarbeit, sind politisch eng verbunden und arbeiten in Umwelt- und humanitären Fragen eng zusammen, auch im Rahmen internationaler Organisationen.
Die bilateralen Beziehungen verzeichneten ein deutliches Wachstum in den Bereichen Handel, Wirtschaft und Investitionen. Im Jahr 2023 erreichte der Handelsumsatz zwischen Kasachstan und Deutschland 3,9 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 41 % gegenüber 2022. Die Exporte Kasachstans nach Deutschland stiegen um das 3,1-fache auf 742,3 Millionen US-Dollar, wobei Öl und Erdölprodukte, Kohle, Ferrolegierungen, Phosphor, Fischfilets und Flugzeuge den größten Teil ausmachten.
Die Importe aus Deutschland nach Kasachstan stiegen um 41,2 Prozent und beliefen sich auf insgesamt 3,1 Milliarden Dollar. Die Liste wurde von Arzneimitteln, medizinischer Ausrüstung, Autos, landwirtschaftlichen Maschinen und anderen Industriegütern dominiert. Kasachstan macht 83 Prozent des gesamten deutschen Handels mit Zentralasien aus.
Zu den größten Investitionsprojekten gehört ein 50 Milliarden Dollar schwerer Cluster zur Produktion von grünem Wasserstoff in der Region Mangystau, geführt vom deutsch-schwedischen Unternehmen Svevind. Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist der Bau einer 500 Millionen Dollar teuren Lithium-Produktionsanlage in Ostkasachstan durch die Bergbau AG.
Im Jahr 2023 nahm Deutschland Kasachstan in eine Liste von 34 Ländern auf, die Anspruch auf bevorzugte Investitionsgarantien haben.
Wichtige Tagesordnungspunkte
„Während der Verhandlungen in der kasachischen Hauptstadt werden neue Handels-, Wirtschafts- und Investitionsabkommen erwartet“, sagte Seilechanow.
Laut Steffen Hebestreit, einem Sprecher der deutschen Regierung, werde es bei den Gesprächen um die Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Energie, Kommunikation und Rohstoffe gehen.
Da Kasachstan 19 der 34 für die Wirtschaft der Europäischen Union wichtigen Rohstoffe produziert, sind Diskussionen über die Versorgung mit diesen Rohstoffen wahrscheinlich. Neue Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Chemie und Maschinenbau werden ebenfalls erwartet.
Seilekhanov wies darauf hin, dass die Aussichten der Transkaspischen internationalen Transportroute, einem wichtigen Kommunikationsprojekt zwischen West und Ost, ein ständiges Thema in den Gesprächen Kasachstans mit europäischen Partnern, darunter Deutschland, sein werden.
Politisch wird es bei dem Besuch wahrscheinlich auch um Gespräche über innenpolitische Themen beider Länder gehen, im Kontrast zu den demokratischen Reformen in Kasachstan und der Situation in Deutschland nach den Wahlen.
Seilechanow betonte, dass es bei den Gesprächen auch um Bemühungen zur Beschleunigung des Friedensprozesses in der Ukraine und im Nahen Osten gehen könnte, wobei Kasachstan und Deutschland Vermittlungsmöglichkeiten prüfen. Auch die Positionen beider Länder zum bevorstehenden UN-Zukunftsgipfel, der für Ende dieses Monats geplant ist, dürften zur Sprache kommen.
Kasachstan ist an den deutschen Umweltinitiativen, dem Klimaschutz und der nachhaltigen Entwicklung sehr interessiert. Berlin hat 2007 die Wasserinitiative für Zentralasien ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, das Wasserressourcenmanagement in der Region zu verbessern. Daraus ist 2019 die Initiative „Grünes Zentralasien“ hervorgegangen, die mit deutscher Unterstützung die Zusammenarbeit der fünf zentralasiatischen Staaten in Fragen der ökologischen und nachhaltigen Entwicklung fördert.
Stärkung regionaler Partnerschaften
Astana wird die erste zentralasiatische Hauptstadt sein, die einen Gipfel dieses Formats ausrichtet, was die führende Rolle Kasachstans in der regionalen Zusammenarbeit mit externen Partnern unterstreicht.
„Für Deutschland und die EU ist Zentralasien ein einheitlicher „Organismus“, reich an Rohstoffen, menschlichem Potenzial, Transit- und Transportmöglichkeiten und ein wachsender Wirtschaftsmarkt mit attraktiven Handelsangeboten“, sagte Seilekhanov.
Er merkte an, dass die zunehmenden Kontakte zwischen Deutschland, Kasachstan und anderen zentralasiatischen Ländern ein Zeichen dieses strategischen Interesses seien.
Im Jahr 2023 fanden hochrangige Besuche zwischen Kasachstan und Deutschland statt. Im Juni besuchte der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier Kasachstan und die Kirgisische Republik, während der kasachische Präsident Deutschland zweimal besuchte – im September zum ersten Treffen Zentralasien + Deutschland in Berlin und im November zu einem offiziellen Besuch. Im selben Jahr besuchte der Präsident Usbekistans Shavkat Mirziyoyev Deutschland zweimal, und Bundeskanzler Scholz wird am 15. September Taschkent besuchen, bevor er in Astana eintrifft. Die Staatsoberhäupter der Kirgisischen Republik und Tadschikistans nahmen auch am letztjährigen Gipfel in Berlin teil.
„Der bevorstehende Besuch von Bundeskanzler Scholz in Astana wird den kasachisch-deutschen Beziehungen neue Impulse verleihen und die Zusammenarbeit zwischen Zentralasien und Deutschland auf eine neue Ebene heben“, sagte Seilekhanov.





